Ayurveda und die Sankhya-Philosophie #1 Das kosmische Bewusstsein

Ayurveda ist die Wissenschaft des Lebens. Eine Wissenschaft, deren Erkenntnisse aus der genauen Beobachtung der Natur erwachsen.

Ayurveda basiert aber zugleich auf sehr alten philosophischen Denkansätzen. Mit einem tiefen Verständnis über die Entstehung von Bewusstsein, Materie und Leben.

Ayurveda und die Sankhya-Philosophie

Die Sankhya-Philosophie beschreibt u.a. wie sich der Weg der Manifestation von Materie aus reinem Bewusstsein gestaltet. Sie bietet ein Denkmodell an, das wir in unserer westlichen Welt erst Anfang des 20. Jahrhunderts „entdeckt“ haben. Das der Quantenphysik. Dass Materie aus Energie entsteht. Dass Energie auch Bewusstsein, Geist, Intelligenz, ist.

Der Weg vom Bewusstsein zur Materie

… wie ihn die Sankhya-Philosophie beschreibt, dient dem Ayurveda u.a. dazu, sein Verständnis über den Menschen, über Gesundheit und Krankheit, abzubilden.

Diesen Weg möchte ich Dir vorstellen und Dir damit näher bringen, wie tiefgründig, wie umfassend der Ayurveda den Menschen, Dich und mich, betrachtet.

Teil 1 – Wie sich das Kosmische Bewusstsein manifestiert

Ayurveda sieht den Menschen als Teil der Natur, als Teil der Schöpfung, als Teil des Universums und des universellen Bewusstseins. Der Mensch trägt die Natur, die Schöpfung, das Universum in sich.

„Der Mensch stellt eine Miniatur der Natur dar.“ [LAD2010], S. 20

Der Mensch selbst bildet eine Einheit aus Körper, Geist und Seele.

Dabei ist der Körper der manifeste, stoffliche Teil des Menschen. Das, was man betrachten und berühren kann.

Der Geist, auch Psyche, vereint alle emotionalen und kognitiven Eigenschaften und Muster.

Beide Anteile des menschlichen Seins, Körper und Geist, können durch ein Ungleichgewicht von Krankheit betroffen sein.

Die Seele dagegen, der subtilste Anteil des Menschen, wird im Ayurveda als „unveränderlicher Wesenskern“ betrachtet. Die Seele kann nicht von Krankheit betroffen werden, sie kann nicht verletzt werden und lebt nach dem Tode weiter.

„Die Seele ist der individuelle Anteil des Göttlichen im Lebewesen.“ [CRITTIN2011], S. 39

Als ich dies zum ersten Mal gelesen hatte, ist eine große Unsicherheit von mir abgefallen. Die Unsicherheit, vielleicht auf immer krank zu sein. Die Erfahrung, dass (wenigstens) ein Teil von mir unantastbar bleibt, hat mich froh gemacht.

Die Erkenntnis, dass ich nicht „verloren“ bin, hat mir Mut gemacht. Dass mein „Kern“, meine Essenz nicht zerstört oder krank werden kann. Und dass ich darauf aufbauen kann.

Für dieses Wissen bin ich sehr dankbar.

Aber wie ist das nun?

Wie manifestiert sich das kosmische Bewusstsein, das Göttliche in uns?

Sankhya-Philosophie der Schöpfung, eigene Darstellung, vereinfacht, nach [CRITTIN2011] und [LAD2010]

Sankhya-Philosophie der Schöpfung, eigene Darstellung, vereinfacht, nach [CRITTIN2011] und [LAD2010]

Es beginnt damit, dass im Universum Bewusstsein vorhanden ist. Dieses Bewusstsein ist überall, ist grenzenlos, ist reine Energie.

Und es zeigt sich in zwei Formen, einer männlichen Energie (PURUSHA) und einer weiblichen Energie (PRAKRITI).

Beide sind von ewiger, zeitloser und grenzenloser Existenz.

PURUSHA zeigt sich passiv und formlos es ist reines, absichtsloses Bewusstsein. Purusha ist einfach da. Jenseits einer zeitlichen oder räumlichen Wirkung.

PRAKRITI dagegen ist eine kreative, schöpferische, ein aktive Energie. In Prakriti zeigt sich der göttliche Schöpfungswille. Ich meine auch, dass Prakriti das ist, was in vielen anderen Kulturen auch als das schöpferisch Weibliche verstanden und verehrt wird.

Prakriti kreiert Schöpfung und manifestiert sich und seine Absicht selbst in MAHAT.

MAHAT ist die Kosmische Intelligenz und zugleich die Gesetzmäßigkeiten der Natur. Mahat ist die große Ordnung im Universum.

Der Mensch ist Teil der Natur, Teil der Schöpfung, Teil des Universums und des universellen Bewusstseins. Der Mensch trägt die Natur, die Schöpfung, das Universum in sich.

Der Mensch ist eine Miniatur des Großen. Und hier springt der Funke, der Geist über. Spiegelt sich die Kosmische Ordnung in der Individuellen Ordnung.

Und so zeigt sich die Kosmische Intelligenz des Großen im Menschen als Individuelle Intelligenz, als BUDDHI.

BUDDHI ist reine, tiefe Intelligenz. Buddhi ist intuitiv, sie nimmt wahr ohne ein Anhaften, ohne ein Beurteilen.

Wir Menschen sind Wesen, die sich und ihre Umwelt nicht einfach wertefrei wahrnehmen, sondern die aus dem Wahrgenommenen ihre Schlüsse ziehen. Wesen, die beurteilen und an den Dingen anhaften. Wesen in gegenseitigen Interaktionen und Abhängigkeiten.

Und so bilden sich neben Buddhi weitere Formen des Bewusstseins, des Geistes aus. Bis hin zum Kern unseres Selbst, bis hin zu unserer Seele…

In der ayurvedischen Psychologie wird der Geist in drei Schichten geteilt.

Die BUDDHI ist dabei der mittlere Teil.

Im äußeren Geist finden sich die Teile MANAS (der Intellekt) und AHAMKARA (das Ego). Mit beiden definieren wir unser äußeres Selbst, unsere Selbstwahrnehmung im Außen. Über beide agieren und interagieren wir mit unserer Umwelt, wir nehmen wahr und denken und fühlen.

Im inneren Geist finden sich die Teile ChITTA (das Unbewusste) und JIVATMAN (die Seele). Über beide definieren wir unser inneres Selbst. In Chitta finden sich Prägungen und Überzeugungen, die unbewusst und oft ohne unsere tiefere Absicht unser Handeln beeinflussen.

Und Jivatman, unsere Seele, der reine Kern unseres Selbst? Unangreifbar. Unsterblich.

Ist die Seele Teil unseres Geistes?

Ich bin mir nicht sicher. Ich denke, dass sie manchmal gebeutelt, geschüttelt wird, wenn sich Geist oder Körper in Aufruhr befinden.

Sie ist Teil unseres Selbst und existiert doch über uns hinaus.  Vielleicht deswegen bleibt sie auf immer unangreifbar, unbegreifbar…

Ja ich gebe zu, das war nicht leicht zu lesen! Das versteht man nicht beim ersten Mal. Ich auch nicht.

Ich habe viele Male in der Literatur gelesen, gedacht, gelesen… Und hab mir am Ende doch meine eigene Grafik erstellt.

Weil es mir wichtig ist zu verstehen, wer ich bin und warum. Und weil ich das, was ich selbst erfahre, weitergeben möchte. Auf dass wir alle an uns selbst wachsen.

Wie geht es Dir mit dieser Idee von Schöpfung? Was denkst Du darüber? Schreibs mir!

 

Aber wie manifestiert sich aus Bewusstsein nun Materie? Dazu weiter in…

Teil 2 – Wie sich Materie aus Bewusstsein manifestiert


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Verwendete Literatur

[LAD2010]

Lad, Vasant (2010): Selbstheilung mit Ayurveda. Das Standardwerk der indischen Heilkunde. Neuausg. München: Barth.

[CRITTIN2011]

Crittin, Jean-Pierre (2011): Ayurvedische Psychologie. Wege zum Selbst und das Energieprinzip im Ayurveda. 2. Aufl. Oberstdorf: Windpferd.

Bildquellen

  • 027_Sankhya-Philosophie_Bewusstsein: Marit Mueller
  • 027_BlogImage: Marit Mueller

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