Die Kutsche des Lebens – eine Sicht des Ayurveda auf Dein „In Dir Zuhause“

Sie lässt mich nicht los. Die Achtsamkeit. Sie bringt immer neue Fragen in mir hoch. Ich stolpere über neue Sichtweisen, neue Erklärungen.

Deren Aussagen habe ich schon hundertmal gehört. Habe ich schon längst verinnerlicht. So meinte ich.

So isses aber nicht! Nach jeder Biegung des Weges sieht derselbe Weg ein bisschen anders aus. Nach jeder neuen Erklärung klärt sich der Blick ein wenig mehr. Kommt ein kleines Stück neues Verständnis hinzu.

„Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen.“ Albert Einstein

Entscheide ich oder werde ich entschieden?

Aus meinem Üben von Achtsamkeit erwachsen neue Fragen. Wo kommt das andauernde Geplapper in meinem Kopf her? Wer erzählt mir hier, was geht oder nicht geht, was richtig oder falsch ist, gut oder schlecht? Wer trifft hier die Entscheidungen über mein Leben? Entscheide ich oder werde ich entschieden?

Ayurveda – die Lehre vom Leben

Ayurveda. Die alt-indische Heilkunst. Seit über 6.000 Jahren wird der Ayurveda praktiziert und gelehrt. Er ist, so sagen es die Worte in Sanskrit, die Lehre (Veda) vom Leben (Ayus). Er lehrt über die Gesundheit des Körpers, über lebensfördernde Ernährung, über eine gute Lebensführung allgemein… Er ist so umfänglich, dass ich in ihm immer wieder Antworten auf meine Lebensfragen finde.

So auch auf die Frage: Was macht mich aus? Entscheide ich oder werde ich entschieden?

„Wer bin ich. Und wenn ja, wie viele?“ Richard David Precht (Buchtitel)

Die Kutsche des Lebens

Und hier zeigt mir der Ayurveda das Bild der Kutsche des Lebens. Es beschreibt, welche Teile unseres Selbst uns, sprich Dich und mich, ausmachen:

Du und Ich, wir SIND die Kutsche.

Das Bild der Kutsche des Lebens zeigt einen Wagen auf Rädern. Dieser wird von Pferden gezogen, welche wiederum von einem Kutscher mittels Zaumzeug geführt werden. Der Wagen selbst hat einen Passagier.

Die Kutsche des Lebens

Die Kutsche des Lebens

Jedes der Bildelemente steht für einen Teil von Dir:

Der Kutscher. Er ist der wichtigste Akteur im Bild. Er steuert, er bestimmt Tempo und Richtung. Der Kutscher agiert. Der Kutscher bist Du selbst.

Das Zaumzeug. Es ist das Werkzeug des Kutschers. Damit steuert er die Pferde. Das Zaumzeug ist das Wie. Wie Du Dein Leben lebst, Wie Du denkst, Wie Du handelst.

Die Pferde. Sie sind vor die Kutsche gespannt. Sie werden vom Kutscher mittels Zaumzeug gelenkt. Die Pferde entsprechen Deinem Geist, Deinem Verstand, Deinem Ego. Gefühle und Emotionen, Glaubenssätze und Überzeugungen finden sich hier.

Der Wagen. Er wird von den Pferden gezogen, welche wiederum der Kutscher kontrolliert. Der Wagen ist passiv, eine träge Masse. Der Wagen ist Dein Körper.

Der Passagier. Er ist das Gut, das die Kutsche transportiert. Der Passagier ist passiv, er hat keinen Einfluss auf die Fahrt, er reagiert nur auf das, was passiert. Der Passagier ist Deine Seele.

Das Zusammenspiel, die Interaktion zwischen den Akteuren des Bildes bestimmt, wie wir unser Leben leben. Getrieben. Unaufmerksam. Bewusst. Selbstbestimmt.

Die Kutschpferde lenken

Eine Kutsche ist so konstruiert, dass sie von den Pferden gezogen wird. Nicht geschoben. Und so verhält es sich auch im übertragenen Sinn des Bildes.

Und das ist Dilemma und Lebensaufgabe zugleich:

Unser Geist, mit all seinen Gedanken, Emotionen und Glaubenssätzen zieht uns. Zieht AN uns. Oft eilt er uns und unserem Leben voraus. Oft ist er schon am Ziel, da haben wir noch nicht mal den ersten Schritt getan. Wir werden gezogen, fühlen uns getrieben, wir stolpern den Ereignissen hinterher, wie fremdgesteuert. Wundern uns, wo wir landen. Wollten wir wirklich hierher?

Wie fremdgesteuert. Was ist passiert?

Eilen die Pferde dahin, preschen sie vorwärts ohne erkennbares Ziel, gehen sie vielleicht sogar durch, hat der Kutscher die Kontrolle über sie verloren. Vielleicht ist er unaufmerksam, vielleicht sogar eingeschlafen? Vielleicht gibt er aber auch keine klaren Kommandos, vielleicht hält er die Zügel auch nicht fest in beiden Händen und die Pferde „tanzen ihm auf der Nase herum“?

Der Kutscher ist nicht mehr Herr der Lage.

Gelingt es dem Kutscher nicht, die Pferde unter Kontrolle zu bringen, geht es querfeldein. Über Stock und Stein. In rasendem Tempo.

Die Pferde - Dein Geist, Verstand, Ego

Die Pferde – Dein Geist, Verstand, Ego

Und das Dilemma: Der Kutscher bist Du.

In dieser Situation bist Du nicht mehr Herr in Deinem Leben: Du bist fremdbestimmt. Fremdbestimmt von deinem Geist, Verstand und Ego, diesem sprunghaften Kerl. Immer auf seinen eigenen Vorteil aus.

Der Wagen - Dein Körper

Der Wagen – Dein Körper

Der Wagen leidet. Er ächzt unter der Belastung, unter den Kräften, die auf ihn wirken. Die Achsen krachen, Radspeichen brechen. Der Wagen wird instabil. Nur ein kleiner Stein, ein kleines Loch. Und der Wagen bricht auseinander.

Der Wagen steht für Deinen Körper. Du verlierst den Kontakt zu ihm, wenn Du zu stark in Deinen Gedanken verfangen bist. Du lebst nur noch im Kopf, und vergisst Deinen Körper. Du nimmst nicht mehr wahr, was dein Körper fühlt – wie er sich anfühlt. Was er braucht. Was am Ende auch Du brauchst.

Der Passagier - Deine Seele

Der Passagier – Deine Seele

Und der Passagier? Er leidet. Er weiß weder ein noch aus. Der Wagen ist abgeschlossen, er kann nicht aus der Kabine. Und wenn doch? Er würde sich den Hals brechen bei dem Versuch, aus dem Wagen zu springen. Was soll er also tun? Der Kutscher hört sein Rufen, sein Flehen nicht. Dem Passagier wird Angst, er bangt um sein Leben…

Der Passagier steht für Deine Seele. Wie soll sie halt finden, wenn es in Deinem Leben hoch und runter geht, wenn sie hin und her geschüttelt wird? Es kostet sie große Anstrengung, sich in diesen Wirren aufrecht zu halten. Aber soll sie Dich verlassen, Deinen Körper verlassen? Wer bist Du ohne Deine Seele? …

Du verstehst, was ich sagen will? Du bist mehr als nur Dein Verstand, Dein Geist oder Ego. Du bist auch Dein Körper. Und Du bist nichts ohne Deine Seele.

Die Zügel fest in der Hand

Die Lebensaufgabe, Deine und meine, lautet: Die Führung über die Pferde behalten!

Du und ich, wir sind der Kutscher. Wir sitzen zwischen den Pferden – unserem stürmischen Geist – und dem Wagen und Passagier – unserem Körper und unserer Seele.

Du und ich. Wir sind das Bindeglied. Das verbindende Element. Wir sitzen nicht etwa sprichwörtlich „zwischen den Stühlen“. Nein, wir sind die Lenker, die Vermittler, die Verantwortlichen!

Unsere Aufgabe, Deine und meine Aufgabe, ist es, das Gleichgewicht zu halten. Zu vermitteln.

Der Kutscher ist Herr über die Kutsche. Er hat die Zügel in der Hand, er entscheidet. Du entscheidest. Was und wie Du denken willst. Wie Du handeln willst. Die Pferde sind gezähmt. Geist und Verstand sind Deine Diener. Nicht anders herum! Der Wagen und der Passagier sind dem Kutscher überantwortet. Körper und Seele sind in Deiner Obhut.

Vom Geist gemachte Gedanken kommen und gehen. Sie sind flüchtig, nicht greifbar, nicht real. Falsche Freunde für einen flüchtigen Moment. Daher solltest Du sie auch so betrachten: Entfernte Bekannte, nur auf der Durchreise!

Körper und Seele dagegen sind einzigartig. Sie sind bei Dir, Dein Leben lang. Freunde fürs Leben. Daher solltest Du sie auch wie gute Freunde behandeln!

Die Kutsche des Lebens - vielleicht so?

Die Kutsche des Lebens – vielleicht so?

Meine Einladung an Dich

Beobachte deinen Geist. Was sagt er, was suggeriert er dir, was will er? Welche Gedanken gaukelt er Dir als real vor? … Hinterfrage ihn! sind seine Gedanken Schnellschüsse, kurze Bedürfnisse – aus einem flüchtigen Gefühl heraus geboren?

Und ist es wirklich auch Deine Richtung, in die Dein Geist Dich mit seinen Gedanken lenkt? Frag auch Deine Freunde fürs Leben, Körper und Seele, nach ihren Bedürfnissen!

Besänftige deinen Geist. Zähme die Kutschpferde. Du bestimmst die Richtung, das Tempo. Gib acht auf die Kutsche, Deinen Körper, den Du und die Seele bewohnst. Fahr‘ die Kutsche nicht auf Verschleiß. Gib acht auf Deinen Passagier, Deine Seele. Sie kann sich nicht wehren gegen eine rasante Fahrt.

Besänftige deinen Geist. Zähme die Kutschpferde.


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