Mit meiner MS in Indien #1 Always different. Always same.

Ich bin zurück in Kerala/Südindien. Im Ayush Prana, einem Ayurveda-Center spezialisiert auf die Behandlung von Multipler Sklerose (www.msayurveda.com).

Der Rückblick

Zweimal war ich bereits im Ayush Prana. Anfang 2013 und im Jahreswechsel 2013/14.

Zweimal war ich alleine da, und für jeweils 60 Tage.

Zweimal hat es mir gut getan.

Und doch hatte nur mein erster Aufenthalt eine wirklich nachhaltige Wirkung in mir entfaltet. Ich bin nach dem zweiten Mal erschöpft zurück gekehrt. Und blieb erschöpft.

Der Aussetzer

Und dann habe ich pausiert. Habe anderes probiert, anderes gegessen, andere Medikamente genutzt. Es laufen lassen… Ich gebe zu, dass ich erschöpft blieb. Gewicht verlor. Ohne Idee, wie weiter…

Bis zum August 2016. Da habe ich meinen indischen Doktor in Nürnberg konsultiert. Um zu erfragen, ob eine erneute Behandlung für mich in Betracht kommen kann. Ja, sagte er. Meine progrediente MS ist halt nicht einfach. Ist halt ’ne langwierige Sache. Nach 30 Tagen sollte man sehen können…

Der Wiedereinstieg

Nun ist Februar 2017. Und ich bin wieder in Kerala/Südindien, im Ayush Prana.

Diesmal nicht allein. Diesmal mit meinem Micha.

Und diesmal für nur 42 Tage… Auch wenn der Doktor die Nase gerümpft hat. Auch wenn das eine zu kurze Zeitspanne sein mag.

Mehr ist gerade für mich nicht drin. Zeitlich, finanziell, im Kopf…

Die Ankunft

Das erste, was ich wiedererkenne, nachdem ich das Flugzeug verlasse, ist diese hohe Luftfeuchtigkeit. Die Luft riecht süßlich.

Wieder Stempelbeamte. Wieder lange Schlangen. Mein gebuchter Rollstuhl-Service macht sich bezahlt. Ich passiere zügig und mit Vorzug die Kontrolle. Wobei die Handgepäck-Kontrolle eher ein Witz ist…

Wieder ein Menschenauflauf am Ausgang. Wieder 100e Namensschilder. Am Ende auch meines „Ayush Prana – Marit Mueller“. Und es ist wieder der Fahrer von vor 3 Jahren, Aron.

Always different

Seit meinem letzten Aufenthalt hat sich die Zimmerkapazität verdoppelt: Die Häuser, die ich nur als Rohbau kannte, sind inzwischen fertig und erstrahlen in freundlichem Gelb. Auch sind in ihnen Behandlungsräume eingerichtet, so dass es auch hier nicht (mehr) zu Engpässen kommt.

Entsprechend wurde auch der Essensbereich erweitert, um allen Patienten einen Essplatz zu bieten.

Mit der Vergrößerung des Ayush Prana wurde das Neben-Center in Munnar (in den Bergen) wieder aufgegeben. Die zwei Ärztinnen Dr. Sharmila und Dr. Gheetu sind nun im Ayush Prana.

Der Anteil bulgarischer Patienten ist wieder sehr hoch. Dieses Phänomen muss nach meinem ersten Aufenthalt 2013 eingesetzt haben, erstmals erlebt habe ich es 2013/14. Damals hat eine Bulgarin namens Bilyana in ihrer Heimat sehr stark die (mediale) Werbetrommel gerührt. Und das Center wurde zu einer Art bulgarischen Exklave 😉

Darunter leidet natürlich die Internationalität. Aktuell sind noch eine deutsche sowie eine indische Minderheit im Center. Während meines zweiten Aufenthalts war ich zeitweise die einzige Deutsche und hatte das Glück, dass befreundete indische Patientinnen noch da waren. Kurzum: Ich spreche jetzt viel weniger sinnvolles Englisch als während der Aufenthalte zuvor. Diese einseitige Ausrichtung finde ich sehr schade. Der Austausch fehlt mir…

Auch die Preise haben sich im Vergleich zu meinen Aufenthalten zuvor leicht erhöht. Der Preis beinhaltet die tägliche Behandlung, Vollverpflegung, Reinigung/Wäscheservice und variiert aufgrund der angebotenen Zimmerkategorien. Mitreisende Personen (sog. Bystander) zahlen allein den Anteil an Wohnen und Vollverpflegung. Dabei muss aber gesagt werden, dass der Großteil des Tagespreises sich aus den Medikamenten und Ölen ergibt, deren Herstellung aufwendig und zeitintensiv.

Auch die Bezahlung ist komplizierter geworden. Wenn ich früher eine deutsche Bankverbindung hatte, auf die ich auch hier vor Ort die Rechnung online begleichen konnte, so erfolgt die Zahlung nun auf ein indisches Konto. Wenn man nun so wie ich keinen Online-Überweisungsservice nutzt, muss man die Überweisung in Papierform bei der Hausbank tätigen lassen, da die Transaktion über die Grenzen des Europäischen Wirtschaftsraumes stattfindet.

Die ersten Behandlungen

Einen Unterschied erfahre ich derzeit in meiner Körperbehandlung. In den ersten zwei Wochen habe ich beinahe täglich einen Milchguss erhalten. Sieben Liter frische Milch von den Kühen des Centers. Mit Kräutern und speziellem Reis aufgekocht. Warm über meinen Körper gegossen, auf und ab. In einem steten Rhythmus und Gleichklang. Dieser Milchguss stärkt mich und verbessert mir das Laufen.

An den restlichen Tagen bekam ich einen Öl-Auftrag, mit dem ich 25 Minuten ruhe. Danach folgt Kashaya Dhara, ein gleichförmiges Übergießen mit einem warmen Kräutersud. Beides tut gut. Das Öl reduziert mir den diffusen Schmerz im Körper. Der Guss stimuliert meine Marmapunkte. Und gleich habe ich wieder mehr Platz zwischen den Zehen meines rechten Fußes.

Mein Shirovasti ist seit Beginn auf 1h 25min angesetzt. Hier ist jetzt im Abbau des Öl-Hutes ein patientenfreundlicher Handgriff dazu gekommen. Die unterste Schicht der Paste aus Urad Dhal wird jetzt auch noch vom Kopf gekratzt. Das erleichtert das anschließende Auswaschen der Öl- und Pastenreste.

Eine Vielzahl der Medikamente gibt es jetzt statt in Pulver- in Tablettenform. Das erleichtert die Einnahme.

Always same

Wieder verlaufen die Tage im steten, ruhigen Rhythmus. Wieder sind sie ausgefüllt mit Behandlungen, durch die große Teile von Zeit wegbrechen.

Viele Ereignisse, die ich irgendwie vergessen, ausgeblendet habe, sind wieder aktuell. Die linke Hand ersetzt wieder das Klopapier. Die Moskitos sind immer durstig. Die Insekten sind mannigfaltig an Größe und Form.

Viele bekannte Gesichter finde ich unter den Therapeuten und Arbeitern… viele, mit denen ich mich gut verstanden, die ich auch lieb gewonnen habe: Sadi, die (wieder) das Zimmer reinigt. Lissy, die mich wild umarmt hat, als sie mich erkannte. Und Renju, meine Therapeutin vom letzten Mal, die wider meines Erwartens noch immer hier arbeitet. Sogar zwei Patienten kenne ich hier. Rumiana aus Bulgarien, Vaishnavy aus Bangalore/Indien.

Viele bekannte Gerüche und Geschmäcker. Sei es der Jaggery im Frühstücks-Porridge, die Ladyfingers und Drumsticks in der Suppe, das Chappati – bestrichen mit Ghee… Und die freudigen Gesichter der Küchen-Ladies, wenn sie mir die Zutaten des leckeren Chutneys aufzählen.

Das erste Drittel

… ist vergangen. Zwei Wochen zum Ankommen und neue Routinen entwickeln. Zum Erkennen, wie viel Unnützes im Koffer war. Welch Nützliches fehlt.

… ist vergangen. Zwei Wochen, in denen mein Micha mich ganz wunderbar und vielseitig unterstützt. Und in denen er beginnt, McGyver-Qualitäten zu entwickeln.

Zwei Drittel des Aufenthalts liegen noch vor uns. Es bleibt in jeder Hinsicht spannend!


Bearbeitungsstand: 04/2017

Für mehr Informationen: www.msayurveda.com

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Bildquellen

  • 20170211_154816.jpg: Michael Daubert
  • 041_BlogImage: Marit Mueller

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