Über Selbstliebe und Selbsterkenntnis

Gespräche, die mich bewegen – kurz notiert #1

Vor einiger Zeit hatte ich eine Unterhaltung mit meiner Freundin Elena.

Freundschaft ist vielgestaltig

Wir beide kennen uns von einem Ort in Südindien, an dem wir zur gleichen Zeit und aus ähnlichem Grund waren. „Und das allein reicht schon für eine Freundschaft aus?“, fragst Du.

Ich denke ja. Wenn man sich in 8.000 Kilometern Entfernung begegnet, Zeit verbringt, Gespräche führt, sich austauscht, lacht und schweigt – und dies alles gern tut – dann liegt da mehr drin als eine flüchtige Begegnung.

Wir beide haben vielleicht gar nicht so viel gemein.

Aber was uns beiden gemein ist, ist die Bewegung. Die, die im Außen passiert. Jene, die wir in unserem Inneren erleben. Und unser Bestreben, diese zwei Bewegungen in Einklang zu bringen.

Wir beide unterhielten uns über so große Themen wie Selbstliebe, falsche Erwartungen des Egos, Vergebung für sich selbst und andere…

Im Grunde über alles, was Du brauchst, um ein gutes, ein bewusstes und glückliches Leben zu führen. Große Themen. Und obwohl sie groß und essenziell sind, gehen sie oft unter im eigenen Leben. Ganz oft. Viel zu oft!

Unserer Unterhaltung liegt zugrunde, dass Elena gerade das Buch von Sonja Wierk liest, und dass sie dabei unglaublich viel über sich selbst lernt. Und während der Unterhaltung erkenne ich mich in vielem, was sie erlebt und durchdenkt, wieder.

Wie sollte es auch anders sein? Bewegen wir uns doch alle durch die großen Themen des Lebens…

Bewegung führt zu Erkenntnis

Hi Marit, wie geht es dir? Ich lese zurzeit das SoWi Buch und verstehe was darin geschrieben ist, erst jetzt. Es gibt Aspekte des gesund Werdens, die ich vernachlässigt habe, die Ernährung ersetzt nicht den liebevollen Umgang mit sich selbst. Ich lese gerade das Buch und das ist ein Volltreffer bei mir, das Visualisieren tut mir psychologisch sehr gut.

Das ist schön. Ich merke das bei mir auch: Ganz viel Getue und Gewese ringsherum und kaum den Blick auf mich selbst. Weil es anstrengt und auch weh tut.

Ja, das ist aber wesentlich für die Genesung. Ich hatte eine Verschlechterung genau aus diesem Grund: Ich hatte zu hohe Ansprüche an mich selbst. Und ich kann nicht loslassen… Das ist vielleicht sogar der eigentliche Grund.

SoWi sagt, dass man von allen Ansprüchen und Erwartungen loslassen soll. Für mich war bis jetzt die Ernährung die Basis. Das hat mich sehr viel Zeit und Energie gekostet. Und ich habe mich darüber selbst vergessen…

Das ist bei Menschen, die eine (chronische) Krankheit entwickeln ganz oft. Bei mir auch…

Wir setzen sehr hohe Ansprüche an uns selbst, und tun alles, um diesen gerecht zu werden. Gleichzeitig denken wir, dass auch alle anderen auch unsere Maßstäbe ansetzen. Und sind dann enttäuscht, wenn wir merken, dass dem nicht so ist. Dass andere Menschen auch andere Prioritäten, andere Ziele, andere Maßstäbe haben. Und so täuschen wir uns und sind von anderen enttäuscht.

Ja, ich verstehe was du meinst. Das ist bei mir ein sehr großes Thema. Ich bin sehr oft psychisch erschöpft wegen den hohen Erwartungen und Ansprüchen.

Aber du bist dabei, umzudenken! Und allein das zählt. Ich denke, du solltest der Zeit nicht nachtrauern, die du „verloren“ hast. Vorbei ist vorbei. Lass diese Zeit los und freue dich, dass du einen weiteren, neuen Weg gehst.

Ja, ich freue mich sehr, nur manchmal ist es schwierig, loszulassen…

Ja das erlebe ich auch. Aber was ich gelernt habe ist, dass meine 80% für andere wie 100% aussehen. Dass ich nicht alles (mit)machen muss und auch kann.

Ich verstehe was du meinst. Allerdings habe ich manchmal eine falsche Vorstellung davon, was die anderen von mir erwarten. Sie erwarten vielleicht nichts, und ich bilde mir aber ein, dass sie gewisse Sachen von mir wollen oder erwarten.

Und dann versuche ich sie zu erfüllen. Ich überfordere mich aber dabei und gerate ins Ungleichgewicht. SoWi hat mich darauf aufmerksam gebracht, dass es so nicht weitergehen kann.

Das ist das Dumme an den Erwartungen… vielleicht ist das jetzt für die nächste Zeit deine Aufgabe. Zu erkennen, welche echten Wünsche du an dich haben darfst, und welche sich als Erwartungen tarnen, die du an dich stellst, ohne echte Notwendigkeit. Und welche Erwartungen, von denen du denkst, dass sie andere an dich stellen, doch nur wieder deine eigenen sind…

Ja, genau.

Ich bin schon längere Zeit der Überzeugung, dass wir nur über unseren gebändigten Geist in die Heilung kommen.

Ja, das habe ich auch neulich verstanden. Irgendwie über die Seele. Die Seele muss frei sein.

Das stimmt. Und was ich auch gelernt habe: Es ist immer das Ego, das sich über Äußeres definiert. Der Ayurveda sagt, dass die Seele unantastbar und damit durch Krankheit nicht berührt wird. Diese Aussage gibt mir Zuversicht. Zu wissen, dass ein Teil von mir gesund und heil ist.

Bei der Sache mit dem Ego stimme ich dir zu. Ich denke aber auch, dass wir unsere Seele unglücklich machen können. Durch falsches Denken und Handeln. Und sie uns die Krankheit schickt, damit wir innehalten, umdenken und etwas lernen. Damit wir bessere Menschen werden. So stelle ich es mir vor.

Ja da ist was dran. Und ich habe auch diese Interpretation gefunden: Dass die Seele in ihrem Konflikt den Körper um Hilfe bittet, der wiederum Symptome macht, die uns zum Stillstand u Umdenken bewegen sollen. Das ist richtig, glaube ich… nee! weiß ich. Weil es bei mir genauso anfing.

Und dennoch. Dass meine Seele, mein Wesenskern auf Dauer unbeschadet bleibt – dieses Bild gefällt mir.

Genau so stelle ich es mir vor! Ja, unsere Seele ist unsterblich und nur aus Liebe gemacht…

Aber ist das nicht unglaublich tröstlich…

Ja, ich fühle mich frei, wenn ich daran denke. Und es ist unglaublich schön!

 Ich denke es ist immer gut zu ergründen, was einen anfällig macht. Ich weiß von mir, dass ich mental instabil war und auch immer noch bin… und das, was einen in die Krankheit treibt, hilft einem auch wieder heraus.

Guck dir Sonja an. Sie hat der MS erst etwas erwidern können, als sie bereits im Bett lag. Da hat sie die Zeit und die Erkenntnis aufgebracht… Und erst da war sie ganz bei sich.

Ja, das ist definitiv so! Wir brauchen Mut zur Veränderung! Und ja, man braucht dafür auch Zeit.

Ich denke mir manchmal, dass es auf einmal klick im Kopf macht und man versteht plötzlich alles… Wie bei Sonja, sie hat so lange dafür gebraucht und plötzlich hat es klick gemacht. Aber all ihre vorherigen Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass dieser Klick stattgefunden hat. Vielleicht ist es ihr zu einer früheren Zeit einfach nicht möglich gewesen.

Das glaube ich auch nicht. Wir Menschen halten viel aus bis es wirklich, wirklich, überhaupt nicht mehr geht… wir sind so dumm…

Vielleicht hast du Recht. Man muss eben auch mental so weit sein. Und sie ist es bis dahin vielleicht nicht gewesen. Ich weiß nicht ob man es sich als Ziel setzen kann…

Das stimmt. Mental bereit sein – das sind viele nicht. Viele warten auf das Heil von außen.

Ja, man kann es nicht erzwingen. Ich habe genau das gelernt in den letzten Jahren. Du kannst so was nicht erzwingen, es kommt wo anders her. Aus Liebe. Irgendwie…

Nein, erzwingen ist kontraproduktiv. Da war mal eine Frau im SoWi-Seminar die wurde von der Familie geschickt. Und sie war nicht bereit im Kopf… und hat dichtgemacht.

Nein, der Wunsch muss aus dir selbst kommen!

Manchmal denke ich: Der Wunsch alleine reicht nicht aus. Vielleicht muss man noch „radikaler“ sein. Es wirklich WOLLEN statt zu WÜNSCHEN!

Man muss einen Zustand erreichen, dass man frei im Kopf ist, dass eine radikale Vergebung stattfinden kann. So was… Dass man nur aus Liebe handelt…

Du meinst, dass man sich selbst vergibt.

Sich selbst und allen anderen. Das ist etwas, wo ich noch nicht so weit bin. Ja das glaube ich: Dass es die Vergebung ist. Zur Vergebung habe ich ein Buch gelesen: „Ich vergebe. Der radikale Abschied vom Opferdasein“ von Colin C. Tipping. Das Buch hat mir die Augen geöffnet, ich habe erwartet, dass Heilung von draußen kommt… Ich habe aber noch nicht vergeben…

Ich glaube auch, dass gerade das Vergeben sich selbst gegenüber ganz wichtig und heilsam ist. Weil so viel trauriges und schmerzhaftes im Körper gespeichert ist. Und der Körper vergisst das nicht so schnell, er reagiert viel langsamer als unser Geist…

Oh, das hört sich sehr sinnvoll an: Der Körper als Spiegel der Seele…

Ja, und das, so glaube ich, kann ein Schlüssel sein: Gesund und heil werden von Innen nach Außen. Alle anderen Wege erscheinen mir als Irrwege und Selbsttäuschung.

 Der Dreiklang in uns allen

Das Gespräch hat noch lange in mir nachgewirkt. Und ich komme immer wieder auf meine Vorstellung des „In mir Zuhause“ zurück.

Und stets ist es ein Dreiklang…

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Ich verstehe das „In mir Zuhause“ als einen Kanon aus Annehmen – Bewohnen – Vertrauen.

Dies ist aber doch nur meine eigene Interpretation unserer dreifaltigen Existenz aus Körper – Geist – Seele.

Und auch in diesem Sanskrit-Mantra finde ich diesen universellen Dreiklang: Sat – Chit – Ananda, was bedeutet: Sein – Bewusstsein – Glückseligkeit.

Ist es nicht merkwürdig? Denkwürdig? Wunderbar?

Ist es so wunderbar einfach?


Literatur:

Barbara Zaruba, Sonja Wierk: Dem Leben wiedergegeben.

Colin C. Tippin: Ich vergebe. Der radikale Abschied vom Opferdasein.

Zentrum für Gesundheit: Selbstheilung durch Gedanken

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