EU-DSGVO – über Karl Marx, Gespenster und Datenschutz

“Ein Gespenst geht um in Europa…”

… so beginnt das “Kommunistische Manifest” von Karl Marx und Friedrich Engels, Erstveröffentlichung 1848.

In einem völlig anderen Zusammenhang lässt sich dieses Zitat jetzt, im Mai 2018, erneut bemühen.

Dieses Gespenst heißt Europäische DatenSchutzGrundVerOrdnung ( kurz DSGVO). Und sie gilt. Ab Donnerstag, 24.05.2018 um 23:60 Uhr.

Es ist ja nicht so, dass sie über Nacht kam. Sie wurde bereits 2016 beschlossen. Nur läuft halt jetzt nach 2 Jahren die Übergangsfrist zur Umsetzung ab. Nur, das wissen wir alle aus eigener Erfahrung, kriegen wir immer erst den A**** hoch, wenn es kurz vor knapp steht.

Es ist ja nicht so, dass die DSGVO für jeden von uns als Gespenst auftritt. Sie kann Fluch und Segen zugleich sein. Kommt halt drauf an, auf welcher Seite man stehst. Und aus welchem Blickwinkel man drauf guckt.

Auf beiden Seiten

Die DSGVO regelt nun europaweit anhand einheitlicher Standards den Schutz personenbezogener Daten. Es gelten nun Maxime wie Minimalität, Transparenz und Sicherheit in Bezug auf Erhebung, Verarbeitung und Speicherung dieser Daten.

Ich als Betroffener dieser genannten Vorgänge, als Leser, Nutzer, Kunde, Verbraucher, Interessent, Bürger,… Für mich hat die DSGVO Gutes! Ich habe viele Rechte: auf Auskunft, auf Löschung, sogar aufs Vergessen-werden.

Nur weiß ich das als Betroffener oft nicht! Daher, du Leser! Informiere dich und bleibe mündig.

Ich als Anbieter, Verkäufer, Dienstleister,… Für mich hat die DSGVO eine Menge an Mehr gebracht: Mehr Arbeit, Nachdenken, Finanzausgaben. Um Konformität zu erreichen.

Zu beider Nutzen

Ich bin in die Zeit meiner Diplomarbeit (DA) zurück geworfen: 2002 wurde in Deutschland die neue EnergieEinsparVerordnung (EnEV) eingeführt. Auch so ein Gespenst für die entsprechende Branche. Und ich? Herrje, kann doch nicht so schwer sein! Ist genau mein Thema! … So war das. Als ich 2002 meine DA schrieb, gab es genau 1 Fachbuch zum Thema.

So fühle ich mich mit der DSGVO wieder. Kann doch nicht so schwer sein! Schritt für Schritt. Analyse – Plan – Umsetzung.

Doch es ist schwer. Weil diesmal mehr auf dem Spiel steht als “nur” eine Note. Weil ich keine 23 mehr bin sondern 39.

Seit März beschäftigt mich die DSGVO. Sie bringt unruhige Nächte und scheinbar endlose To-Do-Listen. Sie bringt die Gesundheit ins Wanken und das Seelenheil aus dem Takt. Sie bringt Pläne durcheinander und eröffnet neue Felder für Wissen und Bewusstsein.

Bis zum Erbrechen

Seit März ziehe ich mir hardcore alles rein, was ich zum Thema Datenschutz und EU-DSGVO finde und als hilfreich erachte. Meine sehr illustre Sammlung umfasst u.a. wunderbar aufbereitete Blogposts, Podcasts, einen Online-Kurs und Mitgliedschaften in diversen Facebook-Gruppen sowie einem Datenschutzportal. Eine Auswahl:

Im Großen wie im Kleinen

Im Großen wird in einer besonderen Liga gespielt. Vielleicht lehnen sie sich zurück und lassen ihre Anwälte vor, die Großen, die Finanzstarken, die Multinationalen.

Im Kleinen bemüht man sich redlich, die Angriffspunkte zu minimieren. So wie wir schimpfen, “immer auf die kleinen Leute” – so unwohl fühlen sich gerade die kleinen Unternehmer*innen, die Blogger, Freelancer, KMU’s und Vereine. Jene, die nur wenig in der Hinterhand haben, personell wie finanziell.

“Es geht ein Gespenst um in Europa”, hieß es 1848.

2018 heißt das Gespenst nicht DSGVO. Es heißt: Abmahnanwalt. Konkurrent. Neider.

Im Großen wie im Kleinen gelten dieselben Regeln. Doch die Großen und die Kleinen verfügen nicht über dieselben Ressourcen. Und damit auch nicht über dieselben Handlungs- oder Überlebenschancen!

Es gibt noch viele Unklarheiten hinsichtlich der praktischen Anwendung der DSGVO und es heißt oft: “das werden die Gerichte entscheiden”. Doch wen wird es treffen, das Abmahnen, das Bußgeld… Und wann? Und wie? Es bleiben Unsicherheiten. Und das Leben ist weiterhin kein Ponyhof…

Die Schwarze Null

Du bewegst dich nun auf einer Blogseite, die meines Erachtens “sauber” ist. Die immer noch wissen will, wer auf ihr liest und agiert. Und daher auch Daten von dir in angemessenem, teilweise anonymisiertem Umfang erhebt. Die sich in ihrem Angebot nicht einschränken will und dir daher auch das aktive Entscheiden zumutet.

Du kannst selbst nachgucken, welche Daten jede deiner besuchten Internetseiten abruft, trackt oder weiterleitet. Nicht alles ist ein Drama, doch es ist spannend zu sehen.

Nutze dazu das Browser-AddOn Ghostery (https://www.ghostery.com/). Oder ruf im Browser die Entwicklerkonsole auf…

Ich halte es wie der deutsche Finanzminister: Die schwarze Null steht! Ein Gespenst weniger.

Quelle: Marit Mueller

066_Schwarze Null_Ghostery

Post Skriptum 1 – Ad Absurdum

Was – und das ist nur ein Gedankenspiel zur Ermessung der Tragweite der DSGVO -, wenn es den Erwägungsgrund 18 der DSGVO, der ihre Anwendung auf den rein privaten und familiären Bereich ausschließt, nicht gäbe? Dann wäre ein Szenario vielleicht so:

Denk einfach mal leise darüber nach, was und wer nicht alles in dem kleinen Büchlein notiert ist, das neben dem Telefon liegt. Wissen denn auch die Personen hinter den Telefonnummern, dass sie bei dir gelistet sind? Und wie du ihre Nummern schützt vor unerlaubtem Abschreiben?

Solltest du das Büchlein mit den handnotierten Telefonnummern nicht doch besser mit Netzhautscanner gesichert im Familiensafe aufbewahren? Doch warte, kannst du deiner Familie denn trauen? Setz besser notariell beglaubigte Vereinbarungen zur Verschwiegenheit auf!

*kicher*

Und nun entspann dich wieder! Denn es gibt Erwägungsgrund 18!

Anguck-Tipp aus der ARD-Mediathek: Quarks & Co: Soziale Medien. Wie viel Macht Facebook wirklich hat (letzter Abruf 20.05.2018)

Post Skriptum 2 – Off Line

Und ich entspann mich jetzt auch.

Während die DSGVO ihre unmittelbare Anwendung findet, löse ich mich von all dem Wahnsinn und bin im Achtsamkeits-Retreat. Und das offline!

 


 

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