Ayurveda im Herbst

Ich nehme dich mit durchs Jahr! Wir schauen in dieser vierteiligen Reihe auf die vier Jahreszeiten und auf die jeweils in der Natur vorherrschenden Doshas.

Und ich gebe dir Hinweise und Anregungen, wie du körperlich und mental in Balance bleiben kannst, dein Gleichgewicht hältst. In einem Leben in beständiger Bewegung.

Ayurveda im Jahreslauf #3 Der Herbst

Leben ist Dynamik, ist Rhythmus. Stets ist die Welt im Wandel begriffen, und wir mit ihr, als Teile dieser Welt.

Als Europäer erleben wir vier Jahreszeiten, in denen sich die Natur in einem stetig wechselnden Kleid zeigt, mit wechselnd dominierenden Elementen. So zeigt die Natur im Jahreslauf wechselnde Eigenschaften, und damit auch wechselnde Dominanzen der Lebensenergien, der Doshas.

Auch in uns findet sich eine Mischung der drei Doshas Vata, Pitta, Kapha. Stets in ganz individuellen Konstellationen, die uns zu einzigartigen Individuen formen.

Der Ayurveda formuliert zwei Grundsätze: Gleiches verstärkt Gleiches. Und: Gegensätze gleichen sich aus. Und so ist leicht verständlich, dass das in der Natur vorherrschende Dosha auch jenes in unserer Konstitution beeinflusst und ansteigen lässt.

Wenn wir also erkennen, welche Eigenschaften in der Natur gerade präsent sind, und damit welches Dosha, können wir mit kleinen Maßnahmen gegensteuern, um Störungen unserer Konstitution vorzubeugen.

Dann mal los und Willkommen…

Im Herbst

Wenn es draußen windig, kalt und trocken ist, die Blätter sich färben, wenn sich Wetter und Temperaturen schnell ändern, dann herrscht Bewegung in der Natur, und auch das Element Luft. Dieses zeigt sich in der Natur mit seinen Eigenschaften leicht, kühl, trocken, beweglich, rau. Eigenschaften des Vata Dosha, das nun dominiert. Und auch den Vata-Anteil in uns verstärkt.

Nun ist Vata aufgrund seiner Eigenschaften das beweglichste Dosha der drei, und ist das störanfälligste der drei. Es “lässt sich leicht aus der Bahn schupsen”, sage ich gern.

Und so erleben wir im Herbst eine Vielzahl Vata-bedingter Störungen:

  • unsere Verdauungskraft wird unregelmäßig, wir erleben vermehrt Verstopfungen,
  • rheumatische Beschwerden können sich verschlechtern unter dem Einfluss von Vata und einer eingeschränkten, unvollständigen Verdauung, die Schlacken fördert,
  • wir erleben Trockenheit, auf der Haut, den Augen, einem verstopftem Darm,
  • unser Nervensystem leidet und reagiert mit Nervosität, Ängsten und Schlafstörungen – wir sind ganz sprichwörtlich “durch den Wind”.

Weil Vata Dosha an so vielen Prozessen in unserem Körper beteiligt ist, und weil es aufgrund seiner Beweglichkeit nicht nur selbst schnell gestört wird, sondern auch die 2 anderen Doshas Pitta und Kapha stören kann, ist ein ausgeglichenes Vata Dosha wichtig für ein Leben im Gleichgewicht.

Auch dies schaffen wir im Herbst durch einen angepassten Lebensstil und eine gesunde, ausgleichende Ernährung. Auch hier nenne ich dir einige Anregungen, die neben der Herbstzeit auch für viele weitere Zeiten des Übergangs, Wandels und Veränderung angewandt werden können:

Dein Lebensstil im Herbst

Stehe früh genug auf, möglichst vor 6.00 Uhr und genieße die Stille des Morgens.

Reinige deine Zunge.

Reinige deine Nase und gib in jedes Nasenloch 1-2 Tropfen Sesamöl, massiere dies kurz in die Nasenschleimhaut und schnupfe je Nasenloch ruhig einmal hoch.

Massiere dich mit warmem Sesam- oder Mandelöl durch. Dies schützt deine Haut vor Austrocknung und hält deinen Körper geschmeidig. Danach warm duschen.

Beginne mit einigen Körperübungen. Besonders im Herbst sind auch Atemübungen des Yoga, die Pranayama-Übungen, hilfreich.

Ich stelle dir hier eine vereinfachte Form der Wechselatmung vor: Nadi Shodhana (Reinigung der Nadis) hilft die feinen Kanäle des Körpers zu reinigen und schützt vor Erkrankungen. Sie wirkt ausgleichend auf das Nervensystem.

  • Praktiziere die Übung für 1 bis 3 Minuten.
  • Nimm eine aufrechte und bequeme Sitzhaltung ein.
  • Atme aus.
  • Verschließe das rechte Nasenloch mit dem Daumen der rechten Hand und atme ein in das linke Nasenloch.
  • Verschließe das linke Nasenloch mit dem Ringfinger der rechten Hand und atme aus über das rechte Nasenloch.
  • Lasse die Finger in dieser Stellung und atmen ein über das rechte Nasenloch.
  • Verschließe rechte Nasenloch mit dem Daumen und atmen aus über das linke Nasenloch.
  • Fahre fort: einatmen – Seitenwechsel – ausatmen und direkt wieder einatmen – Seitenwechsel u. s. w.

Praktiziere im Yoga jetzt Vorbeugen, Drehungen und entspannende Haltungen wie die Totenstellung (Shavasana). Sie helfen, Vata auszugleichen.

Lass dich für eine korrekte Ausführung der Yoga Asanas und Pranayamas bitte von deinem/r Yogalehrer*in anleiten.

Erlaube dir ausreichend viele Ruhephasen und Zeiten der Entspannung. Hör abends entsprechende Musik, meditiere, schreibe… Tu, was dir gut tut. Reduziere deine Online- und Social Media Zeiten.

Für einen guten Schlaf trinke abends ein Glas warme Milch mit je einer Prise Safran und Muskatnuss.

Gönne dir eine Fußmassage mit Ghee oder Sesamöl.

Genieße abends beruhigende Kräutertees (Melisse, Johanniskraut, Kamille, Baldrian, Passionsblume oder Lavendel).

Deine Ernährung im Herbst

Bevorzuge die Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer, leicht scharf. Meide dagegen zu viel Schärfe und die Geschmacksrichtungen bitter und zusammenziehend.

Trinke ausreichend warmes Wasser, Ingwerwasser, wärmende Kräutertees.

Vermeide

  • kalte und rohe Speisen, sie belasten das Verdauungssystem.
  • fermentierte Nahrungsmittel und
  • hefehaltige Produkte. Sie fördern Blähungen und Verdauungsstörungen.

Beginne den Tag mit einem warmen Frühstück, zum Beispiel einem Porridge aus aufgekochten Haferflocken, mit Nüssen, Mandeln, Trockenfrüchten und Ahornsirup.

Iss so oft wie möglich warme Speisen, viel Gemüse, Eintöpfe und Suppen.


Dies sind meine Anregungen für dich in der Vata-Zeit des Jahres.

Ich wünsche dir in deiner Umsetzung viel Freude! Lass dir den Wind um die Nase pusten, tanze mit den Blättern um die Wette… Und immer schön: Mütze auf!

Und weil ich mich nicht entscheiden konnte, hier noch eine zweite Variante des Beitragsbildes:

Ausblick

Und wenn der Winter naht und sich neben kalten, trockenen Tagen auch jene voller Kälte und Feuchtigkeit zeigen, steigt nun auch Kapha Dosha an. Jetzt ist es wichtig, neben Vata auch Kapha auszugleichen und einer Erkältung oder Bronchitis vorzubeugen.

Dazu mehr im vierten Teil der Reihe Ayurveda im Jahreslauf #4 Der Winter.


Bisher in der Reihe “Ayurveda im Jahreslauf” erschienen:

Alle Artikel zum Ayurveda hier


 

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