Frühling vor dem Küchenfenster

Eine Vorlese-Geschichte

Auf die Idee bin ich durch einen Aufruf in der Lokalzeitung gekommen: Ein Betreiber 2er Seniorenheime in meiner Heimatstadt rief dazu auf, Ostergrüße an seine Bewohner zu verschicken!

Dem Aufruf bin ich gefolgt. Im Laufe der Woche ist in mir der Plot für eine kleine Geschichte gereift, die unterhaltsam aber aber ganz nah am (Er-)Leben ist.  Ich musste das Ganze in Etappen zu Papier bringen, immer abends. Denn da waren ominöser Weise die Schmerzen im Handgelenk verschwunden, die mich tagsüber bei meinen Schreibversuchen plagten.

Gestern, am Karfreitag, wurde meine Geschichte fertig. Heute hab ich sie noch etwas aufgehübscht.

Heute erreicht sie dich!
Hier auf dem Bildschirm und als PDF zum mitnehmen, verschenken, vorlesen…


Frühling vor dem Küchenfenster

Der Fliederbaum

Vor meinem Küchenfenster steht ein Fliederbaum, auf einem kleinen Stück Wiese, auf dem sich noch die Blätter eines längst verblühten Puschels Schneeglöckchen zeigen.

Der Fliederbaum ist beinah so alt wie das Haus selbst, in dem ich wohne. Er ist ganz windschief, denn ein Sturm hätte ihn einmal fast entwurzelt. Auch das ist schon lange her.

Ich glaube, dass er schon mehr als einmal vom Leben gebeutelt wurde. Und doch hält er sich mit seinen Wurzeln im Boden fest.

Seine Rinde ist ganz faserig, sein Stamm ist unten mit dickem grünem Moos bewachsen. In seiner kleinen Krone sprießen die Knospen. Auch in diesem Jahr will er blühen, will bald die Luft mit süßem Duft füllen…

Ich öffne das Küchenfenster. „So ein schöner, lebensfroher alter Baum“, denke ich. „Was der schon alles erlebt haben muss!“ Und was er immer noch erlebt, jeden neuen Tag…

Davon möchte ich dir heute erzählen! Ich möchte mit dir zusammen aus dem Küchenfenster schauen, auf den Fliederbaum. Und erleben, was er erlebt!

Und ich stutze! Gerade jetzt fällt es mir auf: Da gibt es gerade gar nichts zu erleben. Denn ich sehe niemanden auf und um den Fliederbaum. Denn ich höre auch nichts. Ganz still ist es um ihn geworden…

„Das ist aber merkwürdig“, denke ich. Und ich schau mich um. Schau zum Gartenzaun…, auf die Straße dahinter…, auf die Zäune der Grundstücke jenseits der Straße…, auf die Dächer der Nachbarhäuser…

Und dann sehe ich ihn. ER ist also der Grund, warum niemand da ist! Warum alles so still ist! Auf dem Dach des Nachbarhauses – da sitzt ein SPERBER! Ganz leise, ganz unbeweglich… Beobachtet die Umgebung. Wartet ab, ob sich etwas bewegt, ob jemand unvorsichtig ist…

Der Sperber, das habe ich nachgelesen, hat einen sehr alten Namen, der sich aus 2 Worten des Althochdeutschen zusammensetzt: „Sparo“ – für Sperling, und „Aaro“ – für Adler. Sperlings-Adler also!

Und bei DEM Namen ist mir klar, dass niemand sich zeigt. Dass der Fliederbaum leer bleibt… Sie alle verstecken sich vor dem Sperber. Die kleinen Singvögel. Die Sperlinge, Stieglitze, Grünfinken und Kohlmeisen…

„Schade“, denke ich! Fällt jetzt alles ins Wasser, unser gemeinsames Erkunden des Fliederbaums?

Doch siehe da! In diesem Moment hebt der Sperber zum Weiterflug ab. Ganz sicher enttäuscht, dass er keine Beute erlegen konnte.

Welch Glück für uns, denn es dauert nicht lange, und sie alle trauen sich wieder aus ihren Verstecken!

Die kleinen Vögel zeigen sich

Den Anfang machen die Sperlinge. Viele von ihnen leben ganz in der Nähe in einem großen Wacholderbusch. Von dort kommen sie in kleinen Scharen zum Fliederbaum geflogen.

Denn ja, der Fliederbaum ist auch wie eine große Futterstation. An ihm hängen zwei große Futtersäulen mit Sonnenblumenkernen und eine Gitterbox für Meisenknödeln.

Und die Sperlinge probieren von allem. Ganz wild sind sie aber auf die Meisenknödel. An die hängen sie sich dran, wie kleine Akrobaten. Sie schupsen sich und zanken sich laut – das ist ein riesen Radau!

Ach, was für ein wildes Durcheinander! Wir kommen gar nicht mit dem Zählen hinterher: 1 – 2 – 3 … oh da! 4 – 5 -6 – 7!

Und die Kohlmeisen, für die doch die Meisenknödel gedacht sind? Denn warum heißen die denn sonst so? – Tja, die Kohlmeisen machen sich gar nicht so viel aus denen… Zumindest die eine, die gerade geflogen kommt. Vorsichtig und leise fliegt sie zuerst ins Geäst, dann an eine Futtersäule. Sie ist sehr zurückhaltend und genügsam: Sie holt sich nur einen einzigen Kern… und flieg damit zurück ins Geäst. Und erst dort pickt sie ihn auf… Und erst dann holt sie sich den nächsten.

Wir schauen uns beide an und sagen anerkennend: „Sie macht das wirklich sehr ordentlich.”

ABER! Und das ist wirklich ein großes Aber! Es gibt Momente, da ist es echt nicht gut, ordentlich oder genügsam zu sein!

Denn genau in dem Augenblick, in dem die Kohlmeise vom Futter ins Geäst fliegt, kommen drei Stieglitze und ein Grünfink. Und sie besetzen schnurstracks alle Sitzplätze an den Futtersäulen!

Und DAS sind echte Rabauken! Sie benehmen sich einfach nicht gut… Sie nehmen keine Rücksicht, sie machen keinen Platz. Und sie sind einfach nur unordentlich! Auf jeden Kern, den sie fressen, schleudern sie drei aus der Futtersäule hinunter ins Gras.

Da stehen wir am Fenster, und schütteln den Kopf: „DAS müssten WIR uns mal getrauen!“

Und während die Stieglitze und der Grünfink Kerne fressen und Kerne verschleudern, entsteht unter dem Fliederbaum ein kleiner Haufen. Aus genau den fallen gelassenen Sonnenblumenkernen…

Und DAS bleibt nicht lange unbemerkt!

Die Enten räumen auf

Denn plötzlich hören wir lautes Flügelschlagen. Und ein Stockenten-Paar landet auf der Wiese am Fliederbaum.

Die Kohlmeise erschreckt sich ein wenig. Die Stieglitze und der Grünflink sind völlig unbeeindruckt. Und die Sperlinge? Die bekommen nichts mit in ihrem eigenen Durcheinander.

Ein Entenpaar zeigt sich schon seit Jahren in meinem Garten. Ich weiß nicht, ob es immer dieselben sind. Aber im Frühling, in der Zeit vor der Brut, kommen sie recht regelmäßig. Und sie wissen, wo sie Futter finden.

Genau! UNTER dem Fliederbaum. Die Sonnenblumenkerne.

Und auf DIE watscheln Ente und Erpel zielsicher zu. Aber nur die Ente frisst, ungestüm und hektisch. Als ob es ihr ein anderer neiden würde. Aber kein anderer stört sie, sie hat alles für sich allein.

Ihr Gefährte indessen setzt sich ins Gras und beobachtet jede Regung der Umgebung, fast argwöhnisch und immer auf der Hut. Vielleicht probiert er mal ein… zwei Kerne, die genau vor seinem Schnabel liegen. Aber er überlässt wirklich fast alles seinem Weibchen…

Und in kurzer Zeit ist der kleine Haufen Sonnenblumenkerne wie weggefegt.

Und der Tumult, die Bewegungen und Vogelstimmen im und unterm Fliederbaum verklingen langsam…

Die Sperlinge ziehen sich in ihren Wacholderbusch zurück. Die Kohlmeise, der Grünfink, die Stieglitze suchen ihre Ruheplätze in den Hecken. Und das Entenpaar bricht auch wieder auf. Beide bewegen sie ihre Köpfe auf und nieder, ganz so, als ob sie sich absprechen: Bereit? – Bereit!

Und wieder hören wir lauten Flügelschlagen. Und die Enten verlassen als Letzte den Fliederbaum.

Und es wird wieder ruhig um ihn herum…

Die Nachmittagsruhe kehrt ein

Und wir beide schließen das Küchenfenster, und schauen uns an. „Wahnsinn“, sag ich. „Was doch für ein großes, buntes Treiben auf so einem kleinen Fleckchen Erde passiert!“

„Ja“, antwortest du. „Lass uns morgen noch einmal schauen!“

Und dann decken wir zusammen den Kaffeetisch, stellen Zucker und Sahne bereit. Die Kaffeemaschine gluckert und verströmt einen frischen Kaffeeduft. Wir legen uns die Kuchenstücke vom Bäcker nebenan auf die Kuchenplatte. Und genießen die Sonne, die durchs Küchenfenster fällt.

Wir genießen den Nachmittag. Und wir genießen unser Leben!

Ob die Kohlmeise morgen wohl mutiger ist?
Ob wir morgen noch mehr Sperlinge zählen?


Die VorleseGeschichte als PDF

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Quelle: Marit Mueller


Fang den Osterhasen! 

Aus meinem Vorgänger-Beitrag entnommen, denn jetzt wird’s ernst mit dem Osterhasen! 

Und wir wissen: Der Osterhase IST systemrelevant!

Mein Pen&Paper ist im Prinzip „Schiffe versenken“ in der kindgerechten, pazifistischen Version: statt Fregatten, U-Booten o.ä. Blech könnt ihr auch große und kleine „Osternester“  und den Osterhasen auf Papier verstecken und entdecken…
Sollte auch gut fernmündlich oder per Videochat funktionieren!


Fang den Osterhasen als PDF

Ein Klick aufs Bild führt zum PDF.
In den Sprachen: Deutsch – English – Italiano

Quelle: Marit Mueller


Ostergruß

Und nun verabschiede ich mich ins Wochenende!
Sei…

  • ein kleines bisschen so verrückt wie die Sperlinge,
  • ein kleines bisschen so mutig wie die Kohlmeise,
  • ein großes bisschen so standhaft wie Stieglitz oder Grünfink!

Bleib frohgemut und unverzagt!

Ich wünsche dir ein Frohes Osterfest!


und nun noch die 

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