Coimbraprotokoll und MS – #11 Spezial: Schlucken

Ich habe ein Problem. Mit dem Schlucken von Flüssigkeiten sowie von Tabletten und Kapseln. Eine Herausforderung, wenn man so wie ich dem Coimbraprotokoll (CP) folgt und dafür täglich NEMs und v.a. eine raue Menge an Flüssigkeit zu sich nimmt.

Ich muss vorweg schicken, dass ich KEINE körperlichen Einschränkungen habe, was das Schlucken angeht. Ok, irgendwann ermüdet mich das kontinuierliche Trinken. Die Einschränkungen, einfach und überall drauflos zu trinken, sind bei mir “nur” Kopfsache.

Alle deine Beschwerden gehören einem erfahrenen Arzt vorgestellt. Ich biete mit diesem Text keine medizinische Beratung, sondern kann hier allein meine Erfahrungen wiedergeben. Seien sie Orientierung und Unterhaltung…

Meine Strategien

Um gut durchs CP zu kommen, fallen bei mir also NEMs in Tablettenform flach. Kapseln sind schwierig und werden von mir umfunktioniert. Ich habe das Glück, nur dem “Minimalprogramm” des CP zu folgen, also neben D2 nur Magnesium und Vitamin B2 einzunehmen. Der Aufwand, Alternativen zum Tabletten-/Kapsel-Schlucken zu finden, hält sich also in Grenzen.

Vitamin D3

Ich nehme es in Tropfenform ein. Es gibt Anbieter, die ausreichende D3-Mengen je Tropfen anbieten, und das zu moderaten Preisen. Aktuell nutze ich:

Quelle: Marit Mueller

Ach ja. Mein CBD ist natürlich auch in Öl gelöst und von Nordic Oil (ext. Link).

Auch nehme ich hier und da Vitamin K2 in Tropfenform ein. Bisher habe ich die Produkte von InnoNature und Nuvi Health genutzt (ext. Link, Kauf über Amazon).

Magnesium

Ich kaufe mein Magnesium bei Vitaminexpress, und zwar das Pulver Magnesium Synergy (ext. Link).

Quelle: Marit Mueller

Es enthält je gehäuften Messlöffel 200 mg elementares Magnesium (aus Bisglycinat, Citrat, Magnat). Ich vertrage das Präparat gut.

Und die Handhabung ist einfach: ich rühre es in Tee/Wasser ein.*

Vitamin B2

Das B2 gibt es im Handel v.a. in Kapseln. Ich mach es einfach so, dass ich diese aufdrehe und das B2-Pulver in Tee/Wasser einrühre.*

Quelle: Marit Mueller

Bisher habe ich Kapseln von greenleaves und Greenfood genutzt (ext. Links, Kauf über Amazon). Das klappt ganz gut.

Meine Helfer in der Not

In den Zeiten, als ich nix mehr runter bekam aus Furcht vor Verschlucken, hatte ich zwei Helfer.

Logopädie

In meinen zwei durchlebten Post-Verschluck-Zeiten hatte ich eine sehr kompetente Logopädin an meiner Seite. Sie erklärte mir erst einmal, wie Schlucken funktioniert. Und dass das i.d.R. automatisch abläuft. Und dass sich Kopf, Geist, Ego da gefälligst rauszuhalten haben.

Ich bekam von ihr Übungen zur Kräftigung der Zungen- und Gesichtsmuskulatur. Ich habe auch gelernt, die Restluft, die nach dem Ausatmen in der Lunge verbleibt, im Notfall schlagartig auszustoßen. Viele Erkenntnisse und Tricks, um mich sicher zu fühlen. Vor allem aber bekam ich auf charmant-direkte Weise kleine Lektionen in Selbstvertrauen.

Wer also in Leipzig wohnt, dem empfehle ich die Logopädische Praxis Wiese (ext. Link).

Von ihr kam auch der Tipp, mir in unsicheren Zeiten das Schlucken zu erleichtern und Flüssiges weniger flüssig zu machen, mittels…

Pulver zum Andicken von Flüssigkeiten/pürierten Speisen

In den Zeiten, wo ich gar keine Flüssigkeit in ihrer normalen Konsistenz schlucken konnte, verwendete ich das Thick&Easy Instant Andickungspulver von Fresenius Kabi Deutschland GmbH (ext. Link, Kauf über div. Online-Apotheken).

Quelle: Marit Mueller

Es hat mir durch die schlimmsten Zeiten geholfen. Es war -und ist- wie Balsam im Mund. Es reduzierte die Angst vor Flüssigem. Irgendwann war ich soweit, es “auszuschleichen”.

* Seit Anfang 2018 nutze ich das Andickungspulver “nur noch” fürs leichte Binden kleiner Flüssigkeitsmengen, in denen ich die Magnesium- bzw. Vitamin B2-Pulver einrühre.

Neben dem von mir genutzten Präparat gibt es u.a. auch

  • RESOURCE ThickenUp Pulver von Nestle Health Science (Deutschland) GmbH
  • Nutilis Powder bzw. Nutilis Clear Dickungspulver von Nutricia GmbH

Egal, welches Produkt du ggf. nutzt, ich empfehle einen Preisvergleich zwischen lokaler und div. Online-Apotheken. Die Preise differieren sehr stark.

Und warum mach ich das alles? Diesen Mehraufwand in Zeit, Orga und Geld

Meine Erlebnisse von Verschlucken und Atemnot

Im Sommer 2016 hab ich mich verschluckt. Im Sommer 2017 erneut. Beide Male an reinem Wasser. Irgendwas ging zweimal schief im automatisierten Ablauf von: Ach, du willst schlucken? – Dann schließen wir mal die Luftröhre und halten den Atem an.

Ich habe den Atem nicht angehalten. Ich habe eingeatmet. Und gleichzeitig geschluckt. Und mir Wasser in die Luftröhre geatmet. Was zur Folge hatte, dass ich zweimal echte Atemnot hatte: Ich fand mich wieder auf allen Vieren. Es ging weder genug Luft in mich rein noch raus. Ich machte Geräusche wie ein irrer Esel… Panik machte sich breit.

Ich weiß nicht wie, aber ich sagte mir: Wenn du jetzt erstickst, dann ersticke nicht in Panik! Tu es ruhig, bewahr dir diese letzten Momente… Ich hörte meinen Herzschlag in meinen Ohren. Die Zeit dehnte sich unendlich, während ich mir beim Nicht-Atmen zusah… Und es kam etwas Entspannung und Ruhe in meinen Rücken und Brustkorb. Irgendwas löste sich. Und gab die Luftröhre frei…

Beim ersten Mal des Verschluckens war pure Panik in mir. Ich brauchte lange, um das Entspannen als Weg in die “Freiheit” zuzulassen.**

** ein bisschen wie in “Harry Potter und der Stein der Weisen”. Hier treffen die drei Helden während ihrer Rettungsmission für den besagten Stein auf das Gewächs “Teufelsschlinge”. Zumindest in der Verfilmung findet Hermine einen Weg aus dem tödlichen Würgegriff der Pflanze, indem sie jeden Widerstand aufgibt und sich entspannt, statt nicht wie Harry und Ron gegen die Pflanze anzukämpfen.

Beim zweiten Mal hatte ich die Gewissheit, aus dieser Situation herauszukommen, da ich sie ja schon einmal überlebt hatte. Diese Gewissheit half mir, und ich konnte mich schneller “befreien”: Ich nahm die Situation an und gab meinem Körper Zeit, sich zu entspannen. Das mulmige Gefühl und das Wissen, dass ich gerade nicht atmen konnte, nahm ich hin. Dass ich dafür Mut aufbringen konnte, ist mir heute noch unbegreiflich…

Vielleicht war es das Nicht festhalten, das Loslassen von Leben, das mich am Leben hielt. Ich weiß es nicht genau. Für mich war es auf jeden Fall eine Grenzerfahrung. Das bewusste Erinnern und Rekapitulieren bereitet mir, während ich drüber schreibe, weiter Unbehagen.

Ich bin über das Erlebte also noch immer nicht hinweg. Denn…

Mein (Trink-)Verhalten seitdem

… hat sich arg verändert. Die Unbeschwertheit, die Selbstverständlichkeit beim Trinken ist weg:

  • Ich vermeide es zu trinken, wenn ich in größeren Gruppen bin. Unpraktisch bei Feiern und Festen. Aber ich fürchte mich vor dem Moment, in dem ich gerade dabei bin, zu schlucken und ich angesprochen werde oder um mich herum die Gespräche wabern. Sowas überfordert mich trinktechnisch.
  • Ich fühle mich unwohl, wenn ich eine Tischplatte vor mir habe und das Getränk drauf steht. Wenn der Weg sozusagen blockiert ist, um auf alle Viere zu kommen, so der Ernstfall eines erneuten Verschluckens eintritt.
  • Ich nehme gerne große Mengen des Getränks (v.a. heißes Wasser oder Tee) in den Mund. Als ob ich die Mundhöhle fluten und sie mit der Flüssigkeit anfreunden wollte. Natürlich schlucke in diese große Menge nicht, sondern entlasse einen Teil wieder ins Gefäß. Klingt ekelig? Ist es unter Umständen. Ist mir aber egal, v.a. wenn ich alleine bin. – Mit “spruzigen” Getränken geht das nicht. Trinke ich aber auch selten. Mit kalten Getränken klappt das gut. Im Sommer wird die Mundhöhle gekühlt und der Magen wird nicht “eiskalt erwischt”.
  • Ich vermeide die Einnahme von Pillen und Kapseln. Sie sind groß, riesige Fremdkörper in meinem Mund. Allein meinen “Ovulationshemmer” bekomme ich herunter, aber auch nur eingebettet in einem festen Ritual. Alle anderen Pillen zerbeiße ich und nehme mögliche Wirkverluste in Kauf.
  • Ich gönne mir tatsächlich ab und zu eine angedickte Trinkportion. Dann, wenn ich des vielen Trinkens müde bin. Wenn ich eine Streicheleinheit brauche und kein Pudding im Haus ist.

Klingt das irgendwie bekloppt? – Isses auch!

All diese Macken schränken mich ein, das weiß ich. Und ich arbeite mich langsam raus aus dieser Selbstbeschränkung. Denn neurologisch und physiologisch ist schlucktechnisch bei mir alles tippi-toppi. Nur das beratungs- und erkenntnisresistente Ego hat Bedenken. Nur! *zwinker*

Aber das ist ein anderes Thema…


Nachtrag!

02.08.2019

Ich bin auf eine Schluckhilfe für Tabletten gestoßen: Die Tablette wird hier mit einem gleitfähigen Überzug versehen, der lt. Hersteller den Speichelfluss anregt und unangenehmen Tablettengeschmack überdeckt.

Ich selbst hab die Schluckhilfe noch nicht ausprobiert. Doch ich wills nicht unerwähnt lassen, vielleicht hilft es genau dir…

Präparat und Hersteller: MEDCOAT Schluckhilfe, Henning Arzneimittel Gmbh & Co. KG

Webseite Präparat: www.medcoat-schluckhilfe.de (ext. Link).
Webseite Hersteller: www.henning-am.de (ext. Link).

Quelle: Marit Mueller


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