Coimbraprotokoll und MS – Meine Erfahrungen #08

CP #08 – Erlebtes I Symptome I Kontrolle I Neues

Ja, ich geb es zu. Ich hab die Fortschreibung dieser Erfahrungsberichte etwas schleifen lassen… Nach dem Einjährigen war irgendwie die Luft raus. Na was soll’s, jetzt geht es wieder weiter.

Im Herbst kam vieles für mich wieder in Bewegung. Ich spüre den Antrieb, den die Vata-Energie dieser Jahreszeit in mir bewirkt. [1]

Erlebtes

Übers Trinken. Und Pullern.

Mit dem Verfliegen der sommerlichen Temperaturen verflog auch die Leichtigkeit, mir täglich 2 1/2 Liter Flüssigkeit “reinzuschütten”. Ja, anders kann ich das auch nach über einem Jahr CP nicht benennen. Das ist immer noch nix, das ich so nebenbei mache. Ich ziehe mich zum Trinken zurück. So wie andere zum Lachen in den Keller gehen.

Das bremst mich natürlich weiterhin aus, was Aktivitäten außer Haus angeht. Bei diesen bin ich immer noch gerne “leergepullert”. Auch wenn ich mir gern vorsichtshalber ein “Windelpaket” in Form von TENA Lady Extra Plus [2] umschnalle.

Ach, die Herbstkollektion an Klorollen ist bei mir eingezogen…

Quelle: Marit Mueller

077_Herbstkollektion

Übers Alter. Und übers Kindsein.

Vergangenen Sonntag war ich im Kinderschauspiel: “Die Nachtigall” von Hans Christian Andersen. Das mach ich seit einigen Jahren jetzt so. Zu Beginn mit meinen Arbeitskolleg*innen, jetzt mit Micha, Cousine und Schwiegercousin. Und wir sind alle zusammen weit jenseits des Grundschulalters. Und erst dachte ich, ich nehm’ den Rollator. Auf dass die Gesetztheit meines Alters noch deutlicher würde. Hab mich aber dagegen entschieden und bin nur mit Stöcken und Michas Hand gelaufen: Die Gäste haben auch so Platz gemacht, und ich hatte weniger “Balast” um mich rum. Rollator behindert eben auch.

Ehrlich Leute, gönnt euch mehr Kindertheater! Ihr erlebt, wie es mal sein musste, mit den Helden mitzufiebern. Sie vor Gefahren zu warnen. Die Bösewichte auszubuhn.

Wann sind wir jemals so ehrlich, lebendig und im Augenblick? Bitte mehr davon!

Quelle: Marit Mueller

077_WeihnachtsSchauspiel [2]

Meine Freundin Marie postet im Facebook seit Beginn der Adventszeit Fotos von Sandra’s Kreativstübchen [2]. Da sind echt schöne Teile in fetzigen Designs zu sehen. Und zu haben. Und ich fand die so fetze, dass ich mich dazu äußerte. Der Dialog dazu:

Ich: Vielleicht pass ich in diese coole Roboter-Hose? Die Stoffmuster sind echt hammer!
Marie: Marit das ist ‘ne 74, da passt Konny rein. Du bräuchtest ‘ne 174. Oder wie groß bist Du?
Ich: 161 cm. Man darf doch noch träumen…
Marie: Na Du hast ja bald Geburtstag. Wenn Du schön lieb bist…

Jetzt bin ich hin- und hergerissen. Coole Roboter-Hose zum 40sten? Ich bitte um Meinungen!

Über alte Freundinnen. Und neue Bekannte.

Ich hab mir mit meinem alten Wohnheim-Raumi Claudia angewöhnt, uns an jedem ersten Montag im Monat anzurufen. Das ist eine feine Sache. Wir haben gut drei Jahre auf engstem Raum zusammen gehockt, geschlafen, gegessen, gefeiert, gelernt. Hab ich was vergessen? Ach: gelernt. Und gelernt. Bis zur Verblödung. Das verbindet dann eben… Was einmal im Monat bedeutet, dass sich der Akku meines Festnetztelefons an einem Abend komplett leert…

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Im November hab ich “eine Neue” kennengelernt. Und hoppla, Micha muss nicht nervös werden. Im Grunde kennengelernt aus einer Zweckgemeinschaft heraus, weil sie mich zu einem 2-Tages-Kongress [2] in die Nachbarstadt mitnahm. Ich meine, E. und mich, uns unterscheidet ganz viel. Wir wären uns ohne den Kongress wahrscheinlich nie begegnet. Und dennoch, oder besser gesagt: gerade wegen unserer Unterschiedlichkeit ist ein Unterhalten mit ihr sehr spannend. Weil ich mich an ihr spiegeln kann, mich hinterfragen. Und weil ich sie gern zum Lachen bringe!

Quelle: Marit Mueller

077_Kongress [2]

Über Advent. Und Adventskalender-Overkill.

Alles fing harmlos an.

Am 1. Dezember hatte ich genau einen. Wie es sich gehört. Von Mutti, in großen Teilen CP-konform.

Am 3. Dezember kam der 2. Kalender mit der Post. Von Micha, von Haribo [2]. Ich mag Weichgummi.

Am 5. Dezember kam ein großer Umschlag. mit einem Kalender drin. Dem dritten. Papier mit Türchen, ganz klassisch. Von Micha, einer reichte nicht.

Am 5. Dezember kam auch meine Tante vorbei: “Sinchen, eh’ es ganz zu spät ist!”. Mit meiner Tante kam der 4. Kalender. Ein schönes Büchlein [2], eine außergewöhnliche Idee.

Ich habe 4 Adventskalender. Im Wort: V-I-E-R. Und ich mag sie alle. Doch!

Jetzt hab ich Stress. Täglich 4-mal suchen, öffnen, betrachten/konsumieren.

Und dabei fing alles so harmlos an…

Quelle: Marit Mueller

077_Adventskalender [2]

Symptome

Das Physische

Ich darf vermerken, dass

  • mich an guten Tagen die Übungen der Physiotherapie weniger stark erschöpfen,
  • meine Bewegungen auch viel länger auf gehobenem Qualitätsniveau bleiben,
  • der gefühlte Widerstand, der sich rechtsseitig in den Beinbewegungen als Gummiband oder frischer Beton zeigt, weniger wird,
  • meine Tiefensensibilität in Beckenbereich sich wieder bessert,
  • meine rechte Hüfte im rechtsseitigen Einbeinstand (mit Festhalten) nicht mehr wegknickt, so dass mein linkes Bein beim Absetzen wieder “unter mich drunter passt”,
  • ich in Rückenlage, Beine gestreckt, jetzt auch das rechte Knie auf beinahe geraden Wege zum Oberkörper führen kann.

Ja, wirst du vielleicht sagen, alle Dinge die man nicht sehen kann. Stimmt. Aber ich weiß darum, und das reicht mir vorerst.

Im November hatte ich mal arge Probleme mit dem Tastaturschreiben, nach zwei Zeilen waren die Hände lahm. Liegt aber m.E. an dauerverspannten Rücken und Armen. Das Laufen an Stöcken und am Rollator fordert seinen Tribut, besonders wenn man sich wie ich in die Hilfsmittel hinein stemmt…

Das Psychische

Ich ertappe mich dabei, wie ich mir Musikvideos auf YouTube angucke: Lost Frequencies, Max Giesinger und so. Viele mit Sequenzen von sich bewegenden Menschen, gedreht in Slow Motion. Sie scheinen dahin zu schweben über sommerliche Felder, über Straßen und Gehwege der Großstadt. Ich sauge sie ein, diese perfekten Bewegungen… Und werde mir bewusst, dass das Selbstverständliche sich aus meinem Leben geschlichen hat… Das ist unschön… Nur in meinen Träumen ist das Selbstverständliche selbstverständlich…

Irgendwas mit Meta-

Ich träume mich stets laufend, frei jeglicher Einschränkung. Das ist klasse. Das fetzt. Das tröstet.

Es gibt den Denkansatz, dass wir im Traum unseren physischen Körper verlassen und als Seelenwesen in andere, in parallele, gleichzeitige Universen eintreten können. Und manchmal fühlt es sich nach dem Aufwachen auch so an: Wie ewig weit weg gewesen… Es passiert mir auch, dass sich Traumumgebungen wiederholen…

Ich mag diesen Denkansatz! Ich mag die Freiheit zum “anders denken lernen”. [2] [3]

Kontrolle

Meine letzte Untersuchung stand zum Wechsel Oktober/November an. Zum ersten Mal hab ich meinen 24h-Urin nicht protokolliert, sondern einfach nur vor mich hin gesammelt. Und mir hat echt was gefehlt…

Meine im Sommer entgleisten Nierenwerte haben sich weiter normalisiert, der PTH ist gesunken. Ich zitiere aus der Email des PA: “Die Werte sind super!”

Bis zur nächsten Untersuchung Mitte Januar 2019 bleibe ich auf 40T IE D3.

Neues (und Umtriebiges)

Man sieht (oder liest) es mir vielleicht nicht an. Aber ich kann ein umtriebiger Mensch sein. Dieser Ausschnitt aus einem Audiobuch für Kinder beschreibt es ganz treffend.

Immer was Neues.
Immer versuchen.
Nie zufrieden.
Nie satt und beruhigt.

 

Quelle E. H. Gombrich: Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser, Teil 1, Audio CD 2: Ein ungleicher Kampf, Teil 2. [2]

Herr Gombrich bezieht sich hier auf das Naturell der Athener Bürger im Altertum. Umtriebig, streitlustig, neugierig.

Ich mag gerade diese Audiobücher sehr. Hätte ich die mal in meinem Geschichtsunterricht gehört, ich hätte mehr Durchblick gehabt.

Doch was solls! Jetzt hole ich auf. Und ziehe Parallelen zwischen Historie und eigener Gegenwart. Und bin wieder mal umtriebig!

Umtriebigkeit 1) Vitamin K2

Seit dem Herbst nehme ich zusätzlich K2 (Mk7) ein. Je 200 Mikrogramm je 10T IE D3. Das K2 hat im CP m.E. keinen direkten Einfluss auf die Calciumwerte, doch befähigt es den Körper, Calcium in Knochen und Zähne einzulagern, statt in Weichorganen.

Umtriebigkeit 2) Meditations-App

Auch seit dem Herbst habe ich meine Morgenroutine um ein Element bereichert. Zwischen Wecker und Aufstehen schiebe ich 2 (geführte) Meditationen ein. Dazu benutze ich die App Insight Timer [2]. Sie ist kostenfrei nutzbar, soweit man die Angebote streamt und nicht herunterladen möchte. Sie hat hauptsächlich Angebote (u.a. Meditationen, Musik, Vorträge) in englischer Sprache, das deutschsprachige Angebot beginnt aber gerade zu wachsen.

Mir gefällt das Gefühl von Verbundenheit, die diese App erzeugt, denn man kann sehen, wer gerade zeitlich parallel meditiert. Daheim und weltweit.

Umtriebigkeit 3) LDN

“Kannst du mir vielleicht sagen ob man das LDN mit dem Coimbraprotokoll kombinieren kann?” Diese Frage erreichte mich Ende November. Ich fühlte mich ertappt.

Ich antwortete: “In der Regel wird eine Kombination des CPs mit anderen Therapien nicht empfohlen, so hab ich es in der Facebook-Gruppe raus gelesen – ist aber Halbwissen. Es gibt ja CPler*innen, die ja durchaus ein schulmedizinisches Präparat parallel anwenden. Ich muss aber auch zugeben, dass ich seit einiger Zeit auch (wieder) mit dem Gedanken einer gleichzeitigen Anwendung von CP und LDN spiele.”

Ja, ich hab LDN (Low Dose Naltrexon) schon mal für ein Jahr genommen. Mit sehr passablen Resultaten. Und ja, ich hab LDN zugunsten des CPs wieder aufgegeben.

“Warum?”, fragte mich die Fragerin. “Weil ich es mir gern leicht mache und im CP eine Abkürzung hin zur Besserung/Stabilisierung sah.”, so meine Antwort. Ja, der Mensch ist ganz gern mal Dünnbrettbohrer.

Um es abzukürzen: Wir hielten Kontakt, und schrieben eine gemeinsame Anfrage an unseren gemeinsamen (!) PA bzgl. möglicher Einwände einer parallelen Anwendung von CP und LDN. Vor einer Woche erreichte uns die Antwort, dass der PA einer parallelen Anwendung zustimmt.

Warum will ich CP und LDN kombiniert anwenden?

Beide Anwendungen…

  • stimulieren biochemische Prozesse, welche das Zellgleichgewicht positiv beeinflussen.
  • sprechen dabei aber m.E. unterschiedliche Regelkreisläufe an, so dass eine negative Beeinflussung untereinander wenig wahrscheinlich scheint. [4]
  • sind PRO Anwender, PRO Körper und seine Lebensprozesse. Nicht contra.

Ich erhoffe mir von der parallelen Anwendung, dass das LDN als “Booster” für das CP wirkt.

Hier meine Konditionen für die Neuausrichtung:

  • Ich starte mit der parallelen Anwendung von CP und LDN NACH der nächsten CP-Kontrolle Mitte Januar. Damit werden die Januarwerte zu Basiswerten bzgl. der Wirkungen des LDN.
  • Ich lasse CP-relevante Blut-/Urinwerte engmaschiger kontrollieren, im 6 Wochen Turnus.
  • Ich berichte engmaschiger an den PA.
Naltrexon als Wirkstoff und LDN als Anwendung desselben

In der Anwendung bei Autoimmunerkrankungen werden niedrige Dosen von Naltrexon (max. 4,5 mg/Tag) eingenommen, vorzugsweise abends. Nach der nur wenige Stunden anhaltenden Blockade der Opioid-Rezeptoren kommt es im Körper zu einem Rebound-Effekt, so dass aufgrund eines vermeintlichen “Mangels” körpereigener Opioide, diese vermehrt gebildet werden, welche wiederum in den Körperzellen biochemische Prozesse wie Entzündungshemmung, Heilungsförderung, Wiederherstellung von Homöostase bewirken. [5] [6]

Ausblick

Wie geschrieben, bin ich mit der nächsten CP-Kontrolle Mitte Januar dran. Da wird die Terminfindung fürs 24h-Pullern spannend. Im Januar hat ein gutes Drittel meiner Sippe Geburtstag.

Nach der Kontrolle werde ich mit LDN beginnen. Ich denke, ich werde es wieder einschleichen mit wöchentlich steigender Dosierung. Dazu werde ich mir ein erweitertes Protokoll basteln, das die täglichen Dosen von D3 und LDN abbildet, zusätzlich zu Symptomatik und Wohlbefinden.

Was den Blog angeht: Ich will dessen Ausrichtung justieren. Ja, ich bekomme meine Leserschaft über Texte zum CP, ich surfe also auf dessen Erfolgswelle munter mit. Doch eigentlich will ich euch für Ayurveda begeistern. Gelingt mir aber noch nicht so gut. Dabei kann der Ayurveda ein sinnvoller Begleiter bei MS sein. Ja, auch neben dem CP!

Rausschmeißer

Kurz und schmerzfrei: Ich freue mich auf eure Kommentare oder Emails! Zum CP, zum Blog, zum Leben selbst!

Bleibt mutig!


Verweise

[1] Meine Blogartikel zu: Ayurveda im Herbst * Ayurvedisch kochen ohne Aufwand. Ein Herbstrezept * Ayurveda im WinterIch habe Stress! Besinnungslos im Advent

[2] Werbung wegen Namensnennung, unaufgefordert.

[3] anders-denken-lernen.de (letzter Abruf: 12.12.2018) * Natalie Knapp: Anders denken lernen, Rowohlt Verlag

[4] http://www.thisisms.com/forum/coimbra-high-dose-vitamin-d-protocol-f57/topic27759.html, (letzter Abruf: 13.12.2018)

[5] Meine 3-teilige Blogreihe zu LDN als PDF [Verweis auf pfd]

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Naltrexon (letzter Abruf: 12.12.2018)


 

Bildquellen

  • 077_Klorollen_HerbstEdition: Marit Mueller
  • 077_Weihnachtstheater: Marit Mueller
  • 077_Kongress: Marit Mueller
  • 077_Adventskalender: Marit Mueller
  • 077_BlogImage-CP: Marit Mueller

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